In der Osteria Italiana mit Donna Fugata

Noch vor dem Weinfestival in Meran fand eine besonders eindrucksvolle Verkostung im Hotel Bayerischer Hof statt.
Die jährliche Verkostung italienischer Spitzenweine des Istituto del vino italiana di qualità, Grandi Marchi, vereint 19 großartige Winzerfamilien:
Argiolas, Biondi Santi, Ca‘ del Bosco, Michele Chiarlo, Pio Cesare, Donnafugata, Floronari, Gaja, Jermann, Lungarotti, Masi, Mastroberardino, Alois Lageder, Carpenè Malvolti, Rivera, Tasca d’Almerita, Tenuta San Guido, Umani Ronchi, Tensta Greppo, die feinsten Weingüter Italiens waren vertreten.

Weinjournalist Steffen Maus moderierte die geführte Verkostung, jede Winzerfamilie schickte einen
Abgesandten nach München, um seinen Wein im Glas dem Publikum kurzweilig vorzustellen.
Nach der zweistündigen, geführten Verkostung folgte am Nachmittag noch die Tischpräsentation der 19 Weingüter, hier herrschte großer Andrang und ich musste wieder zurück zur Arbeit.

Aber ich freute mich (schon seit Wochen) auf den Abend mit José Rallo und Weinen von Donnafugata in der Osteria Italiana .

Treffpunkt war die Bar dell Osteria, gelegen direkt neben dem Lokal, im ehemaligen Garibaldi. War ich vorher noch nie und kann ich nur empfehlen.
Ein schöner Treffpunkt für einen Apéro, um nachher ins Restaurant rüber zu gehen.
Oder dort bleiben, eine Kleinigkeit essen und ein Glas trinken, was auch mittags super ist. Im Sommer verfügt die Bar auch über Sitzplätze draussen.
Hier aßen wir eine Vorspeisenauswahl und tranken Lighea.

Hinterher ging es in den gemütlichen Keller der Osteria, eine tolle Überraschung, ich schon einmal dort bei der Geburtstagsfeier einer guten Freundin. Denn der Weißweinkeller (er verträgt die Temperaturschwankung, die beim Lüften entstehen) ist ab 8 Personen für private Feiern, Verkostungen ect. zu buchen. Geraucht kann da auf Wunsch auch werden, da ja geschlossene Gesellschaft.
Ein großartiges Ambiente mit einem ebenso wunderbaren, unkomplizierten und sehr klassischem, italienischen Essen, das uns zu den Weinen von Donnafugata serviert wurde.

Ich habe das Weingut Donnafugata 2015 auf der Reise Sicilia en primeur kennengelernt.
Nach einer Ben Ryè Verkostung verschiedener Jahrgänge hatten wir dort mit der entsprechender Weinbegleitung zu Abend gegessen.

José Rallo sang uns damals nach dem Tasting ein Ständchen, was alle ungemein beeindruckt hat.

Heute führt sie das 1983 von ihren Eltern gegründete Weingut mit ihrer Mutter Gabriella und ihrem Bruder Antonio, der Vater Giacomo Rallo starb leider überraschend 2016.
Von ihm erzählte sie, dass sie nie einen derart feministischen Mann kennengelernt hat.
Ihm war immer am wichtigsten, was die Frauen denken und er ermutigte in der gemeinsamen Firma ständig Frau und Tochter, ihre Gedanken und Ideen auszubauen.

Beide konnten sich so ausleben und jede entwickelte ihre Begabungen.
Neben der Leitung der Firma besingt José mit ihrem Projekt Donnafugata Musik & Wine Live die Weine.
Die Idee kam ihr vor Jahren auf einer Chinareise mit anderen italienischen Winzern, wo italienische Weine präsentiert wurden.
Die Veranstaltung entwickelte ungünstig, durch die erschwerte Kommunikation schliefen die Chinesen bei den Präsentationen ein.
Vor José waren noch einige Kollegen an der Reihe und sie befürchtete, dass bei ihrer Vorstellung alle längst im Tiefschlaf liegen würden.
So begann sie zu singen, denn Gesang vermittelt dem Zuhörer ein Gefühl, das sie mit dem Wein in Verbindung bringen konnte. Und die Chinesen wachten auf.

Ihre Mutter Gabriella ist für die Künstler-Etiketten verantwortlich, gezeichnet werden diese von Stefano Vitale.
Wie Mille e una Notte. Der Name des Nero d’Avola war ebenfalls ihre Erfindung, nach der Probe des fertigen Weins meine sie, der Wein wäre wie einer aus Tausend und eine Nacht und so sollte er doch heißen.
Was bei ihrem Mann auf Wiederstand stieß. Gabriella entwarf über Nacht noch das Etikett und der Wein bekam so seinen Namen.

Donnafugata verfügt über drei Produktionsstätten auf Sizilien, angebaut werden neben den regionalen Trauben Ansonica, Catarratto, Grillo und Nero d´Avola auch Grecanico und einige andere Sorten.

Aber zurück in den Keller der Osteria.

Nach den schönen Geschichten sang José uns noch den Wein Mille e una Notte, von dem wir noch die Jahrgänge 1996 und 2008 verkosteten. Zum Wein mit dem tiefen Aromen von Leder, dunklen Beeren mit den eleganten Tanninen schmeckten die geschmorten Kalbsbäckchen mit der kräftigen Soße und den frischen Gemüsen.

Umwerfend gut waren auch die Nudeln mit Wachtel, genauso wie auch das Schokoladenküchlein.
Die Nudeln muss ich unbedingt irgendwie nachempfinden.

Zum Dessert kam noch Ben Ryé 2008 ins Glas, ein runder Abschluss eines wunderbaren Abends.

Ich danke Donnafugata für die Einladung in die Osteria Italiana, die ein eigner Kosmos ist, wie es in München leider nicht mehr viele gibt.

In der Osteria unbedingt vorher reservieren.



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