Sicilia en Primeur – Donnafugata


Wobei ich von Palermo nichts gesehen habe.
Was aber weiter nicht interessiert, nach Palermo kann ich jederzeit fliegen und eine Woche in der Stadt verbringen.

Eine Reise durch die Weinbaugebiete Siziliens, wie Assovini sie für „Sicilia en Primeur“ organisiert hat wäre so einfach nicht möglich.
Etwa 100 Journalisten waren, in kleine Gruppen aufgeteilt, auf der Insel unterwegs, um dort sizilianische Weine kennenzulernen, wie ich zumindest sie noch nicht getrunken habe.
Nach 2 Tagen trafen sich alle in Taormina zur gemeinsamen Verkostung im Hotel „Grand Hotel Atlanis Bay“ .
Hier bestand die Möglichkeit im Sommelier-Room einzeln ausgesuchte Weine zu verkosten oder in den anderen Räumen mit allen anwesenden Produzenten zu sprechen und auch dort gab es wieder etwas zum Probieren.
Und auch erneut zu vergleichen, da man inzwischen ja Erfahrung mit den jeweiligen Trauben und Anbaugebieten gemacht hat.
Tagsüber waren wir natürlich wieder unterwegs, um 10:00 Uhr saßen wir bei der ersten Weinprobe.

Was Weine aus Sizilien betrifft sitzen wir hier scheinbar alle Vorurteilen auf:
Sizilien ist uns hauptsächlich für schwere Rotweine mit hohem Tanningehalt, nicht gerade frische Weißweine und Marsala bekannt.
Und dieser mehr zum Kochen für Ochsenschwanz und Rinderzunge, wobei das eine große Bildungslücke ist.

Ein Teil davon traf vor über 20 Jahren noch teilweise zu, kannten wir ja auch nur einen zum Export bestimmten Bruchteil des auf der Insel erzeugten Weines.
Doch seit 1998 betreibt die Vereinigung Assovini Aufkläurung , eben auch mit der 12ten „Sicilia en Primeur“. 72 Mitglieder repräsentieren im Verband 80% der in der Region abgefüllten Weine. Denn exportiert wird inzwischen natürlich auch mehr.

Was nichts mit den althergekommenen Bild gemeinsam hat:
Sizilien’s Produzenten stellen vollkommen andere Weine her, Rotweine in vielen Variationen, wie den samtigen Mille e una notte, ein sehr eleganter Nero d’Avola.
Dann die frischen, leichten Weißweine, teils trocken und säurebetont, oder mit spannenden fruchtigen Noten, die dabei aber keinesfalls flach süß schmecken.
„Per le donne“, meine neuen Lieblinge, sommerliche Damenweine, die zu Salat und Fisch besonders gut schmecken.
Und auch ein Passito als Dessertwein ist nicht süß, sondern elegant zu Feigen und Käse, auch hier existieren verschiedene Richtungen.
Auch hat man sich wieder auf die heimischen Rebsorten besonnen, wie Catarratto, Carricante, Grillo, Zibibbo und Nero d’Avola, wobei dieser wohl noch am bekanntesten bei uns ist.

Aber zu unserer ersten Station:
nach der Ankunft und einem kleinen Imbiss (Schwertfischröllchen und Reissalat, ganz wunderbar) mussten wir uns erst in unsere kleinen Gruppen zusammenfinden, dann ging es sofort zum ersten Weingut, wo wir auch zu Abend aßen.
Mit einem kleinen Bus, der uns auch die nächsten Tage zu den Weingütern brachte, fuhren wir nach Marsala zu Donnafugata.

Donnafugata, die fliehende Frau, bezieht sich auf Königin Maria Carolina, Tochter Maria Theresia’s, Schwester von Marie Antoinette’s, sowie die Frau von Ferdinand IV von Bourbon.
1798 floh sie vor Napoleons Truppen mit Hilfe Lord Nelson’s aus Neapel nach Sizilien an den Ort, wo heute das Weingut Donnafugata seine Weinberge pflanzt.
Und wiederum Giuseppe Tomasi di Lampedusa gab in seinem Roman ‚Der Leopard‘ eben diesem damaligen Besitztum des Fürsten von Salina den Namen „Donnafugata“.

Die historische Kellerei in Marsala stammt aus dem Jahr 1851, 1983 begannen Giacomo Rallo und seine Frau Gabriella den Betrieb umzustrukturieren und betreiben nun gemeinsam mit Tochter José und Sohn Antonio modernen Weinbau in Sizilien.

Persönlich empfangen von Familie Rallo wurden wir erst durch den imposanten und schönen Weinkeller geführt, hier reifen die Weine in Stahltanks oder lagern in Fässern.

Nun zu einem Thema des Abends: Ben Ryé.
Ben Ryé bedeutet „Sohn der Winde“, was zum Klima des Weinbaugebietes auf der kleinen Nachbarinsel passt.
Der Passito wird zu 100% aus der Weinsorte Zibbibo hergestellt und: Donnafugata’s Zibbibo-Reben sind an die 100 Jahre alt und wurzelecht.
Die Verkostung begann mit dem Jahrgang 1990, der von der Farbe am tiefsten war.
Er erinnerte auch am stärksten am Marsala, jedoch viel trockener als der uns geläufige Dessertwein.
Jeder für sich verschieden, die anderen Jahrgänge: tief, dunkler, aber trocken Richtung Sherry die älteren Flaschen, trocken aber doch süßlicher mit fruchtigen Noten von Aprikose und etwas bitteren Aromen wie Mandel, die jüngeren Jahrgänge.

Aus Zibibbo wird nicht nur Passito gewonnen, sondern auch ein neuer Liebling von mir, Lighea.
Zibibbo einmal trocken und frisch, fruchtig und blumig, mit einem feiner Idee von Pfirsich und Beeren.
Den Weiß-und Rotweine gab es zum Essen natürlich auch, gegen 21:00 Uhr wurde uns das erste von vielen Buffets der folgenden Tage serviert, jedes immer mit neunen Spezialitäten, was nie langweilig wurde und ich einiges nachkochen möchte.

Donnafugata traf ich in Taormina wieder, davon dann gesondert.

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