Werksbesichtigung und Gläserprobe bei Spiegelau

inzwischen schon verschiedene Gläser für verschiedene Biere
inzwischen schon verschiedene Gläser für verschiedene Biere

Nach unserem lustigen Abend beim Zoigl Bier und verschiedenen Craft Bieren ging es am nächsten Morgen ins Werk zu Spiegelau.
Wo Gläser und Kristallglas produziert werden.
Herstellungsprozesse zu beobachten ist immer spannend, beim Glas gibt es verschiedene Abteilungen: die Schmiede mit den Formen, die Maschinen, die pressen, blasen, ziehen und kühlen, bis das Glas seine Form angenommen hat und die Abteilung, wo von Hand bemalt und graviert wird.
Dann wird jedes Glas geprüft, was nicht einwandfrei ist kommt in die Scherbenmühle zum erneuten Schmelzen.
Der letzte Schritt, den die Trinkgläser bei Spiegelau bei ihrer Herstellung durchlaufen, ist der Lasercut, bei dem das Glas seinen glatten Trinkrand bekommt.
So auch die verschiedenen Craft-Beer-Gläser.
Womit wir auch beim Thema wären: ein wulstiger, runder Gläserrand gilt bei Weingläsern (ungeachtet seiner Auswirkung auf den Geschmack) längst als unelegant.
Bei einem normalen Bierglas macht sich darüber hier keiner Gedanken.
Ich trinke gerne Bier und das schon lange. Aus verschiedensten Gefäßen, wie Keferlohern aus Steingut, Masskrügen und Halbekrügerln aus Glas, Pils- normalen Biergläsern und zu Hause gerne auch aus Rotweingläsern.
Bei den Weingläsern aber ohne bewusst zu erkennen, warum sich hier der Geschmack anders entwickelt und das Bier anders schmeckt.
Hier im Vergleich hat Spiegelau längst die Standart-Biertulpe entwickelt, die auf einer ähnlichen Basis wie ein Weinglas funktioniert. Nur eben für verschiedene Biere.

In Bar oder Wirtshaus stellt sich einem diese Frage aber eh nicht, die Gläser sind immer die selben, lasches Bier wird gerne mit Spühlmittelbehaftung erklärt, die natürlich auch mit Schuld hat.
Nie aber wurde das Glas an sich in Frage gestellt.

Spiegelau war lange Hersteller üblicher Biergläser, bis sich das Unternehmen entschied, die Produktion der günstigen, aber minderwertigen Gläser einzustellen und somit diesen Markt zu verlassen.
Als Craft Beer aufkam schien sich ein neuer Markt für hochwertige Gläser aufzutun.
Spiegelau bot die Entwicklung verschiedener Prototypen an, wobei hunderte mögliche Designs zur Verfügung gestellt werden.
Bei den anschließenden Workshops würde dann nach einem Ausschlussverfahren und mehreren Treffen das endgültige Glas bei einer geheimen Wahl ermittelt, was anschließend entwickelt wird.
Als Gegenleistung nimmt die Brauerei zu einem vorher vereinbarten Preis eine besprochene Anzahl der Gläser ab.
Was in Deutschland und Österreich bei Brauern auf kein Interesse stößt.
Hierzulande werden Gläser von Brauereien an die Wirte verschenkt und sollten daher für die Brauereien entsprechend günstig sein.
Biergläser zu Preisen von Weingläsern sind da eher uninteressant.

Was in den USA anders ist, hier gibt es kein Glas geschenkt und Bier ist nicht automatisch ein günstiges Getränk.
Das spezielle Glas wertet auch das Bier auf, und das vor allem geschmacklich.

So kam es zur Zusammenarbeit mit den führenden IPA Brauereien der USA, Dogfish Head und Sierra Nevada. Gemeinsam mit ihnen entwickelte Spiegelau das neue Standardglas für IPA.

Weiter ging es mit Stout Beer und den Brauereien Left Hand Brewing aus Colorado und Rogue Ales aus Oregon, mit ihnen entstanden die ultimativen Stout Beer Gläser.

Und weil es noch ein Wheat Beer Glas brauchte kam Bell’s Brewery hinzu und kreierte mit Spiegelau das neueste Craft Beer Glas für Wheat Beer/Witbier.

Wir konnten alle Biere der US Brauereien mit den passenden Gläsern probieren, jeweils mit einem 1/3 der Menge im sogenannten Jokerglas, dem normalen Bierglas mit wulstig, rundem Glasrand.

Die Problematik des Jokerglases beginnt mit seinem Gewicht und seiner Stärke: 440 Gramm ist es durchschnittlich schwer und entsprechend dick das Glas.
Glas speichert Wärme und so nimmt das Bier schon nach dem Einschenken die Wärme auf. Was bei den dünnen Craft Beer Gläsern, die nur 210-220 Gramm wiegen, nicht der Fall ist, Glas ist ebenso ein guter Isolator und dünnes Glas wird so nicht wärmer.
Erstaunlich auch, dass es erfahrungsgemäß weniger Bruch gibt.

Im Jokerglas, also dem normalen Bierglas, bricht sich die Kohlensäure am runden Gläserrand, explodiert im Mund und überlagert das Aroma.
Das Bier wird sauer, ist aromatisch tot und alle Fruchtigkeit ist dahin.
In den passenden Gläsern entwickelt sich das Aroma im Glas und nach dem Trinken ganzen Mundraum, die Kohlensäure ist feinperlig und das Bier fruchtig.
Auch Malz und Hefe zeigen ein völlig anderes Bouquet auf.

Besonders schwierig in Deutschland ist zu erklären, dass das Bierglas nicht voll geschenkt werden soll. In den Siegelaugläsern hat eine 0,33 Flasche so Platz, dass über der Schaumkrone noch Platz für die Aromaentwicklung bleibt.
Wie beim Wein eben auch, da wird das Glas auch nicht randvoll gemacht.
Auf den neuen Verpackungen der Gläser ist das bereits zu sehen.

Ich trinke mittlerweile gerne eine Flasche IPA, Witbier oder Stout mit Verstand aus einem der feinen neuen Gläser und vermisse nicht die Menge im Halbeglas.

Ich danke der Firma Spiegelau für die Einladung zu diesem interessanten Aufenthalt im Bayerischen Wald.

Bereit für die Glasprobe
Bereit für die Glasprobe

für stärker gemälze Biere
für stärker gemälze Biere

oder IPA mit mehr Hopfen
oder IPA mit mehr Hopfen

die Gläser zu den Bieren
die Gläser zu den Bieren

Form und fertige Schale
Form und fertige Schale

Im Werk in Neustadt an der Waldnaab.

Formen in allen Größen
Formen in allen Größen


hier die Kristallschalen
hier die Kristallschalen

archaisch
archaisch

Glasproduktion
Glasproduktion

einzeln überprüft
einzeln überprüft

die Ränder einzeln von Hand bemalt
die Ränder einzeln von Hand bemalt
der Arbeitsplatz mit Schwämmchen, Farben, Lösungen und Geräten
der Arbeitsplatz mit Schwämmchen, Farben, Lösungen und Geräten
die fertigen Produkte
die fertigen Produkte
im Ausstellungsraum
im Ausstellungsraum

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