Montefalco und seine Weine: Sagrantino, Montefalco Rosso und Weißweine aus Umbrien

Montefalco liegt auf einem Hügel im Herzen Umbriens zwischen zwei Gebirgszügen: im Westen die Monti Martani, im Osten die Monti Sibillini. Von dort überblickt man die umliegenden Täler, die Lage ist geprägt von Weinbergen, vor allem bestockt mit der autochthonen Rebsorte Sagrantino, welcher der Region ihren besonderen Ruf verliehen hat und deren Ursprung vermutlich in frühmittelalterlicher Zeit liegt.
Mönche sollen ihn im 15. Jahrhundert kultiviert haben – wohl für liturgische Zwecke und als Medizin. Lange war es ein Süßwein, der historische „Sagrantino passito“ wurde aus angetrockneten Trauben gekeltert und war fast vergessen, als in den 1970er Jahren einige Winzer damit begannen, den Wein trocken auszubauen. Hier entstand ein neues Kapitel kraftvollen Rotweins.

Sagrantino di Montefalco DOCG, seit 1992 offiziell anerkannt, ist heute einer der tanninreichsten Rotweine der Welt. Vorgeschrieben sind gesetzlich 100 % Sagrantino, sowie eine Mindestlagerung von 37 Monaten – davon mindestens 12 im Holz. Das Ergebnis ist ein tiefdunkler, langlebiger Wein mit Aromen von schwarzen Früchten, Leder, Tabak und Gewürzen.
Neben dem legendären Sagrantino gibt es den Montefalco Rosso DOC, den zugänglichere Bruder.
Eine Cuvée, die in der Regel von Sangiovese (60–80 %) getragen wird, ergänzt durch Sagrantino und oft kleine Anteile Merlot oder Cabernet. Frischer, früher zugänglich mit guten Trinkfluß, aber kein banaler Alltagswein. Der Anteil an Sagrantino verleiht ihm Rückgrat, ohne ihn schwer oder sehr tanninlastig zu machen.
Montefalco Rosso Riserva, basiert auf Sangiovese, dazu kommen Anteile von Sagrantino und weiteren Rebsorten. Die Riserva reift mindestens 30 Monate, davon ein Jahr im Holzfass, anschließend weitere Zeit in der Flasche. Das Ergebnis ist ein Wein mit dichterer Struktur, ausgeprägten Tanninen und guter Lagerfähigkeit. Typisch sind Noten von dunklen Beeren, Kräutern und Gewürzen. In Montefalco zeigt sich bei der Riserva die Verbindung von Tradition mit dem Anspruch, Weine hervorzubringen, die über den alltäglichen Gebrauch hinaus Bestand haben.



Die Vorstellung des Jahrgangs 2021 und der an „A Montefalco“ 2025 teilnehmenden Produzenten fand im Complesso Museale San Francesco statt, einem Museumskomplex in Montefalco der sich in der ehemaligen Kirche San Francesco befindet.




Ein kurzer Spaziergang führt uns zur Verkostung im Chiostro di Sant’Agostino.


Dort führte Cristina Mercuri, Dipl. WEST, Wine Educator und Consultant, durch die einstündige Masterclass mit Blindverkostung verschiedenen Rotweinen aus unterschiedlichen Jahrgängen, Weißweinen des Jahrgangs 2024 und anschließender Auflösung.

Spoleto DOC, 100 % Trebbiano Spoletino, einmal nur im Stahl ausgebaut, ein anderer noch im Tonneaux, im Vergleich ein Trebbiano d’Abruzzo DOC, wodurch der Unterschied der Trebbianosorten sehr anschaulich wurde.


Rechs Rotweine waren zu verkosten, Montefalco Sagrantino DOCG 2020/22, Montefalco Rosso DOC 2021/22. Auch hier gab es es einen nicht in die Linie pasenden Wein zu finden, der stellte sich als ein Côte-Rotie AOC 2019 heraus.


Hier auch verschiedene Jahrgänge und Produktionsmethoden. Insgesamt ist zu den Rotweinen zu sagen, dass die Weine leichter wirken, schneller zugänglich und nicht mehr so stark tanninhaltig sind, wie es früher Tradition war, was dem modernen Verbraucher entspricht.


Weißweine aus Montefalco
Montefalco ist vor allem für seine Rotweine bekannt. Dennoch haben die Weißweine der Region in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen, im Mittelpunkt steht der Trebbiano Spoletino DOC. Die Rebsorte war über lange Zeit kaum noch anzutreffen und überlebte vor allem in Form einzelner Reben. Trebbiano Spoletino ist eine autochthone Weißweinsorte, die zwischen Spoleto, Trevi und Montefalco wächst. Die Trauben sind eher spätreifend, erzeugt werden Weißweine mit floralen Noten, Zitrus- und Steinobstaromen, gelben Früchten, Kräutern, mitunter nussigen Noten und einer markanten Säurestruktur. In guten Lagen zeigt er eine klare Mineralik und erst seit den 1990er-Jahren wird Trebbiano Spoletino wieder systematisch rekultiviert.
Trebbiano Spoletino ist nicht mit dem weit verbreiteten Trebbiano Toscano zu verwechseln, er bringt eigenständige Weine hervor. Der Ausbau auf der Hefe oder im Holz verleiht ihm zusätzliche Tiefe und eine bemerkenswerte Lagerfähigkeit. Damit gehört er zu den wenigen italienischen Weißweinen, die sich über Jahre entwickeln können.
Daneben ist Grechetto die wichtigste weiße Rebsorte Umbriens neben Spoletino. Sie ergibt kräftige, strohgelbe Weine mit fruchtigen und leicht mandelartigen Noten. Grechetto ist sowohl reinsortig als auch in Cuvées verbreitet.
Montefalco Bianco DOC muss mindestens 50% Grechetto enthalten, dazu zwischen 20-35 % Trebbiano Toscano und weitere 30 % andere weiße lokale und internationale zugelassenen Rebsorten, wie Chardonnay, Sauvignon blanc, Malvasia. Es entstehen Weißweine, die jung getrunken, frisch, und unkompliziert sind, mit mittleren Körper; nicht übermäßig aromatisch, mit Aromen von Zitrus, Birne, grüner Apfel, weiße Blüten, bei Ausbau auf der Hefe auch leicht nussig und kräutrig.

Montefalcos Gassen sind eng, die Plätze entsprechend nicht zu groß und die Häuser sind aus lokalem Stein gebaut. In der Kirche San Francesco, heute Museum, finden sich Fresken von Benozzo Gozzoli, die das Leben des heiligen Franziskus zeigen und zu den Hauptwerken der umbrischen Malerei zählen.
Montefalco ist ruhig. liegt abseits der großen Verkehrswege, und hat sich diesen Charakter bewahrt. Die Stadt verbindet Landwirtschaft, Kunst und Geschichte, ihre Rolle als Zentrum des Sagrantino und als Namensgeber einer ganzen Weinregion verleiht ihr bis heute große Bedeutung.


Im Rathaus, dem Palazzo comunale (erbaut 1270) an der Piazza del Comune findet die große Verkostung der Annate in commWeine im Handel statt.

Im Degustationssaal konnten verkostet werden:
Montefalco Sagrantino DOCG 2021 secco und passito, Montefalco Bianco DOC, Montefalco Grechetto DOC, Spoleto Trebbiano Spoletino DOC, Spoleto Trebbiano Spoletino Superiore DOC, Spoleto Trebbiano Spoletino Spumante DOC, Spoleto Trebbiano Spoletino Passito DOC, Montefalco Rosso DOC, Montefalco Rosso Riserva DOC e Montefalco Sagrantino DOCG secco e passito.








Auf der Homepage des Consorzio finden sich auch all anstehenden Veranstaltungen.
Ich danke dem Consorzio Tutela Vini Montefalco und Miriade & Partners für die Einladung zu dieser informativen Pressereise.