Dantes Inferno und ein Käse aus den Monte Lessini

Etwas bergauf führt ein kleiner Marsch von etwa 500 Metern hinter dem Museum “Museo Geopalentologico di Camposilvano” zur imposanten Grotte “Covolo di Camposilvano”.

Etwas bergauf führt ein kleiner Marsch von etwa 500 Metern hinter dem Museum “Museo Geopalentologico di Camposilvano” zur imposanten Grotte “Covolo di Camposilvano”.

Wir sind unterwegs mit dem Heva – Volcanic Agriculture of Europe project, interessieren uns für Gesteine vulkanischen Ursprungs und die finden wir hier im Nationalpark von Lessinia.

Die Grotte “Covolo di Camposilvano” ist über 80 Meter tief, ihre rotfarbenen Eisenoxide sind bis zu 90 Millionen alt.

Dante Alighieri soll die Grotte im Mittelalter besucht haben, angeblich hat ihn ihr Anblick zur Hölle in seiner Divina Commedia inspiriert.

Denn die Tiefen der Grotte vereisen im Winter großflächig, das Eis schmilzt erst im Frühsommer. Zu Dantes Zeiten und darüber hinaus wurde die Grotte als riesige Kühlfläche für große Jagden genutzt. Das abgezogene Wild lag dort auf dem Eis und sein Blut durchfärbte es rot wie die Hölle.

Nach unserem Ausflug zur Grotte besuchten natürlich auch das zugehörige Museum und erfuhren bei einer spannenden Führung vieles über die die geologische Geschichte Lessinias.

Im Museum gibt es erstaunliche Exponate zu sehen: Knochenfunde ganzer Bären, versteinerte Fußabdrücke von Dinosaurieren und sehr schöne Versteinerungen unterschiedlichster Art.

Museo Camposilvano

Und das alles steht in Verbindung mit Käse und Wein, denn die vulkanischen Böden Lessinas sind ungemein fruchtbar und verleihen Käse und Wein ihren unverwechselbaren Geschmack.

Auf den Weiden liegen überall Kühe, die Landschaft ist gesäumt von Weinbergen und Naturdenkmälern wie das der Grotte von Camposilvano.

Nach einem Rundgang in der Käserei Caseificio dalla Valentina machen wir selbst Käse und es steht eine Käseprobe auf dem Programm: Monte Veronese DOP in allen Altersstufen.

Caseificio dalla Valentina ist ein kleiner Betrieb, hier wird alles in Handarbeit produziert und die Milch für den Käse stammt von kleinen Milchbauern aus der Umgebung mit ihren weidenden Kühen.

Das Erstaunlichste aber fand ich, dass der Chef jeden Morgen selbst die Milch bei den Bauern abholt, um die 60 Kilometer legt er dabei zurück.

Hergestellt werden neben Monte Veronese auch Parmigiano Reggiano und andere Käse, einen kleinen Käseladen gibt es auch hier.

Alle Käse im Lager werden natürlich von Hand gehegt und gepflegt.

Zur Käseherstellung im kleinen: zur Milch wird Säure gegeben, die Milch stockt und durch das Schneiden mit dem Löffel entsteht der Käsebruch. Abgesiebt und im Sieb etwas mit der Hand geschleudert entweicht die Molke aus dem Käsebruch und ein kleiner Fladen entsteht.

Mein Käse sah mehr nach Hüttenkäse aus, blieb auch etwas krümelig, schmeckte krümelig-frisch aber sehr gut.

Anschließend konnten wir drei verschiedene Altersstufen des Monte Veronese probieren, der Jüngste auf dem Teller ist der mit den meisten Lufteinschüssen. Würzig schmecken sie alle, am cremigsten natürlich der Jüngste, zu dem brauche ich kein Brot, sondern am besten nur einen Apfel oder Trauben. Die gereifteren Käse schmecken natürlich auch zu Obst, zu Brot und auch gerieben über Nudeln oder Gnocchi.

Kein Idylle-Bild, im Lessini liegen die Kühe der Milchbauern überall auf den Weiden.

Mittagessen! Im von aussen rustikalen Paparo Vecchio wurden wir herzlich empfangen, drinnen sah es überraschend festlich aus.

Der Kamin brannte, was im Oktober bereits angenehm und gemütlich war, dazu eingekühlt Soave und Lessini Durello.

Zu einem Glas Lessini Durello DOC gab es zur Begrüßung ein Stück Polenta vom Grill mit einer dünnen Scheibe Lardo, die auf der warmen Polenta sanft zu schmelzen begann. Die perfekte Kombination, hier stimmte auch das “Pulisce la gola”: der prickelde Durello Lessini DOC zieht das Fett vom Gaumen ab, hier das vom lauwarmen Lardo.

Dazu schmeckten die verschiedenen Gemüse, Salami, Salate und Monte Veronese in allen Reifestadien.

Mediterrane Alpenküche hausgemacht: lauwarmer Selleriesalat, Bohnen mit roter Zwiebel, eine unglaublich gute süß-säuerliche Gardiniera und Kartoffeln mit Spinat.

Zu den Salaten wie auch zum Hauptgang standen verschieden Durello und Soave zur Auswahl.

Die Soave mit ihrer fruchtigen Säure waren ebenfalls optimale Speisebegleiter, sie schmeckten hervorragend zu den Gnocchi di Malga mit Trüffel oder mit angeräucherten, geriebenen Monte Veronese, beide Varianten serviert mit viel Butter.

Die Monte Lessini und das Paparo Veccio: unbedingt einen Besuch wert!

Ich danke dem Heva – Volcanic Agriculture of Europe project für die Einladung zu dieser inspirierenden Reise.

Ich bin Petra Hammerstein, zwischen den Mahlzeiten führe ich unseren Fami­lien­betrieb, das Antiquariat Hans Hammer­stein in der Mün­chener Türkenstrasse. Mein Interesse gilt dem Essen und vom Mut anderer möchte ich erfahren.

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